Freie Akademie für Ethik und Bewusstsein

Kunst als Weg zu Vertrauen und Wieder-Anbindung

"Kunst ruft das Geheimnis wach, ohne das die Welt nicht existieren würde"
R.F.G.Margritte
In immer mehr Menschen entsteht das Bedürfnis, sich mit Kunst zu befassen: wahrnehmend, betrachtend oder selber künstlerisch tätig. Was ist der Grund? Ist es das Geheimnisvolle, Unerklärliche, was uns zur Kunst zieht und daran erinnert, dass auch wir etwas Vergessenes, Unausgesprochenes in uns tragen?

Das Erleben von Kunst kann in uns die Erinnerung an diese verborgene Seite unseres Wesens wecken. Und mit der Sehnsucht, für dieses Unausgesprochene einen sichtbaren, hörbaren Ausdruck zu finden, entsteht der Wunsch nach eigenem künstlerischen Tun. Kunst-Betrachten weckt uns auf für die verborgenen Seiten unseres Wesens. Kunst-Tun schafft die Möglichkeit, diese Erfahrungen in die Anschaubarkeit zu bringen.

Unser modernes, westliches Bewusstsein baut auf Wissen und mit Hilfe unseres Denk- und Vorstellungsvermögens ordnen wir unsere Erfahrungen in unser Weltbild ein. Das eigene Ich ist selber innerhalb dieser Erfahrungswelt ein klar begrenzter Teil. Ich- und Welt-Erfahrung stehen einander unüberbrückbar gegenüber.

Durch die Kunst können wir Zugang finden zu einem unentdeckten Bereich unseres Wesens. Hier finden wie einen Ort, an dem sich Neues und Unbekanntes formulieren kann, wir nicht Gewordene, sondern Werdende sind und wo unmittelbares, quellendes Leben ist.

Kunst entsteht im Jetzt, im Sein. Im Entdecken der schöpferischen Quelle des eigenen Wesens kann der Mensch wieder zu einem unmittelbaren Erleben der Welt finden. Äußere Erfahrungen vereinen sich mit der lebendigen, geistigen Seite. Ein Prozess, der nur von jedem Einzelnen geleistet werden kann. Und da, wo es zu dieser Wieder-Verbindung (=Religion) kommt, ist der schöpferische Mittelpunkt des Menschen. Hier ist der Ort, an welchem die wahre Heimat des Menschen zu finden ist und das Ich weit und groß wie die Welt ist.

In diesem Sinne ist Kunst praktische Religion. Sie hilft, unsere verlorenen Beziehungen zum anderen Meschen, zur Welt und zum Geist wieder zu entdecken. Und nichts schafft tieferes Vertrauen als das Wieder-Auffinden dieser verlorenen Bindungen. Es befreit uns aus Einsamkeit und Isolation, ohne die gewonnene Freiheit aufgeben zu müssen.